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Die Fabrikanlagen Oederlin 1920. Die kleinen Gebäude ganz links stammen vom ehemaligen Gaswerk Baden, das 1907 in den Kappelerhof verlegt wurde.

Giesserei und Armaturenfabrik Oederlin

Von der Innovation zur Liegenschaftverwaltung

Kurz vor 1860 entstanden in der Region die ersten metallverarbeitenden Fabriken. 1858 gründeten die Eisenwarenhändler Karl Joseph und Friedrich Traugott Oederlin aus Baden eine Metallwaren- und Armaturenfabrik mit Nutzung der Wasserkraft der Limmat. Sie waren mit ihren innovativen Produkten erfogreich und darüber hinaus in verschiedener Richtungen tätig. So beteiligten sie sich an der Gründung eines Gaswerks und sorgten für die pionierhafte elektrische Beleuchtung im gegenüberliegenden Grand Hotel. Die Unternehmung profitierte mit ihren Armaturen und Giessereiprodukten u.a. vom Ausbau der Wasserversorgung und beschäftigte in der Spitzenzeit nach der Mitte des letzten Jahrhunderts gegen 1000 Personen. Bald aber folgte ein Abbau der industriellen Tätigkeit. 2016 wurde auch der verbliebene Rest der Giesserei eingestellt. Heute ist die Oederlin AG eine reine Immobiliengesellschaft, im ausgedehnten Areal finden sich verschiedenartige Gewerbe, Büros und Eventlokale.
Bemerkungen
Text der Tafel veraltet. Texte auf dieser Website sind provisorisch.
Meilensteine

1858, Bau der ersten Fabrikanlage, rund 45 Arbeitskräfte
1866, Brand der Fabrik, Wiederaufbau
1878, Erster Produktekatalog
1892, Neubau der Giesserei
1896, Montage einer Turbine mit Generator
1906 – 1908, Werkerweiterung mit Backsteinbauten flussabwärts, rund 300 Beschäftigte
1918, Umwandlung in eine Familienaktiengesellschaft
1925, Abbruch des Wasserrads aus der Gründerzeit. Einbau einer zweiten elektrischen Maschinengruppe, rund 450 Beschäftigte
1929, Gründung einer Angestellten-Pensionskasse
1938, Erweiterung der Leichtmetallgiesserei
1943, Errichtung einer Wohlfahrtsstiftung. Erwerb des Gasthauses Goldwand
1949, 600 Beschäftigte
1958, 850 Beschäftigte
1965, Fabrikneubau nördlich der Landstrasse
1975, Gestaltungsplan für eine Wohnüberbauung anstelle der Fabrikanlage
1985, Aufgabe der industriellen Tätigkeit der Oederlin AG. Gründung der Oederlin Giesserei AG mit dem Zweck der Produktion von Stahl- und Buntmetall-Sandguss
2015, Ende der Giesserei
2020, Kraftwerk definitiv abgestellt

Quellen

Schumacher, Hans: Hundert Jahre Aktiengesellschaft Oederlin + Cie 1858 - 1958. Eigenverlag 1958

Erste Anlagen ca.1865 StaB U.01.I51
Fabrikanlagen 1891. StaB Q.01.15192
In den Jahren 1896 und 1915 verwendete Briefköpfe zeigen das Wachstum der Fabrikanlagen. Sammlung Sepp Schmid

Haushaltwaren und Armaturen

Oederlin produzierte anfänglich Haushaltwaren, Strassenlaternen etc. dann vor allem Armaturen aller Art. Die Kataloge erschliessen eine grosse Palette einzelner Produkte und Anwendungen. Das Unternehmen stellte auch Gussteile für die Maschinenindustrie, für Bahnen und (in Kriegszeiten) für Munition her und wuchs.

Ersatz des Flussseitigen Wasserrades durch eine Turbine 1896. StaB U.01.I51_Turbineneinbau1896
Ausbau des Oberwasserkanals in Zusammenhang mit dem Einbau einer Turbine 1896. StaB U.01.I51_Oberwasserkanal1896
Ausschnitt eines Plans für ein sog. Nadelwehr über die Limmat 1890. StaB
Plan einer Pumpspeicheranlage mit einem Oberbecken auf der Hertensteinebene. StaB
Die beiden Maschinenhäuser (links 1896, rechts 1925) von der Oberwasserseite her 1992. ETH Ba SIK_01_038018
Das Kraftwerk von 1925, Stand 1992. Rechts Winkelgetriebe und Generator, links Regulator. ETH Ba SIK_01-038021

Wasserkraftnutzung

Das Flussgefälle nach dem Limmatknie bot günstige Voraussetzung für die Nutzung der Wasserkraft. In 2 Schritten wurden die beiden Wasserräder durch Turbinen ersetzt. Zur Erhöhung des Gefälles wurde ein Stauwehr, zum Nacht-Tagausgleich ein Pumpspeicherwerk mit deinem Oberbecken auf der Hertensteinebene geplant. Keine dieser zwei Ideen wurde realisiert.
Schon 1882 wurde Elektrizität für das gegenüberliegende Grand Hotel erzeugt, noch lange erfolgte aber ein Teil der Kraftübertragung mit Transmissionsanlagen.
Das neuere Kraftwerk war nach längerem Unterbruch seit 1995 wieder in einem unregelmässigen Betrieb, wurde aber 2020 endgültig stillgelegt.

Der Platz wird eng: Der Bauplatz für das neue Gebäude nördlich der Strasse ist bereit. StaB Q.04.2.1088
Lehrlingsklasse 1960. In Zeiten von Personalmangel setzte Oederlin stark auf Lehrlingsausbildung. StaB Q.01.10413a
Mittagspause 1966. Verkehrsregelung bei der Ausfahrt Neubau, Personentransporte mit eigener Kleinbusflotte. StaB Q.01.20374D
Duschvorrichtung 1918, Armatur Handwaschbecken1968
Giesserei 1963. StaB Q.01.9162c

Wachstum zum Grossbetrieb und Ende

Neue Materialien und Fabrikationsmethoden erweiterten ständig die Produktionsmöglichkeiten. Bei Oederlin wurde sowohl Buntmetall als auch Leichtmetall und Chromnickelstahl gegossen. Es gab eine Warmpresserei, die auch Kunststoff verarbeitete, eine Stangenfabrikation, eine Dreherei, eine Fräserei und eine galvanische Abteilung.
1970 geriet die Armaturenindustrie in eine schwere Krise und es folgte ein Konsolidierungs- und Schrumpfungsprozess. Nach und nach wurden auch einzelnen Unternehmensteile verkauft. Die letzten Reste der Giesserei wurden im Jahr 2015 stillgelegt.

Heutige Nutzung

Für das Fabrikareal der Oederlin AG besteht ein Gestaltungsplan für die Neuüberbauung des gesamten Areals. Aus wirtschaftlichen Gründen blieb das historisch gewachsene Fabrikensemble bisher erhalten. In der Giesserei wurde bis 2016 produziert. Die restlichen Fabrikgebäude sind sei Mitte der achtziger Jahre grösstenteils an Gewerbetreibende vermietet.