
Brauerei Müller
Ein Familienbetrieb meistert Veränderungen
Die Brauerei H. Müller AG passte sich den Veränderungen im Getränkemarkt erfolgreich an und ist heute einer der wenigen mittelgrossen Brauereibetriebe in Familienbesitz.
1886, Gründung durch Bierbrauer Johann Weber. Bau des Wohnhauses, des Eiskellers und einer Halle. Er sichert sich auch Quellwasser von Münzlishausen, das die Firma heute noch benutzt.
1897, Hans Müller kauft die Brauerei und baut sie aus, unter anderem 1902 mit einem neuen Lagerkeller für Natureis, 1912 mit einem Maschinenhaus mit Kühlanlage für Eisherstellung
1927, Umbau des Gärkellers, Einbau von Aluminium-Bottichen
1930, er Jahre Das Sudhaus wird auf drei Gefässe ausgebaut. Malzsilos aus Metall ersetzen die Holzkästen aus dem Jahr 1897 und bringen mehr Lagerkapazität
1960, Gleisanschluss an den Bahnhof
1961, Modernisierung der gesamten Produktionsanlagen, die bis 1973 dauert und 6,5 Mio. Franken kostet
1972, Bierausstoss auf Rekordhöhe
1974, Umstellung von Holz- auf Mehrweg-Stahlfässer als erster Betrieb in der Schweiz
1986, Errichtung einer neuen Getränkehalle mit einem Vollsortiment alkoholfreier Getränke. Ab 1987 Aufbau eines Weinhandels, 1996 Beteiligung an der Weinkellerei Haller
1992, Letztes Bierfuhrwerk mit Pferden
2000, Eröffnung des Biergartens
2004, Neuer Gär- und Lagerkeller mit der moderner Brautechnik für 8,5 Mio Franken
2009, Aus dem Kühlmaschinenhaus von 1912 entsteht der Getränkeabholmarkt „Harassino"
2010, Kontinuierliche Modernisierung: Vollautomatisiertes Sudhaus, 2013 Kartonage-Verpackungsanlage, 2015 vollautomatisierter Bügelverschliesser, 2017 Hochleistungs-Fassfüller
2011, Beginn der Planung von Wohnbauten auf dem Brauereiareal
2021, Zusammenarbeit mit der Schaffhauser Brauerei Falken und dem Getränkehändler Schüwo (Wohlen) im Bereich Logistik
2022, Gasthausbrauerei im MüllerBräu Biergarten
2024, Beginn der Bauarbeiten der Arealentwicklung
Streif, Franz: Hopfen und Malz, Gott erhalt's: Brauereien, Eisweiher und Eiskeller in der Region Baden. In: Badener Neujahrsblätter 2009
Schneider, Steven: Müllerbräu Baden. 125 Jahre Tradition und Innovation. Brauerei H. Müler AG Baden
Vom leeren Feld zum Industriegebiet
Text folgt
Bierproduktion und Bierabsatz im Wandel
Bier wurde lange Zeit in kleinem Massstab in Wirtschaften und Klöstern gebraut. Die Kühlung mit Eismaschinen förderte dann aber eine gewerblich-industrielle Entwicklung. Konsumiert wurde aber immer noch in Wirtschaften, die mit Fässern beliefert wurden. Auch wenn der Absatz mit Flaschen über den Lebensmitteleinzelhandel stetig steigt, ist die Brauerei H.Müller AG nach wie vor strategisch auf die Gastronomie ausgerichtet und liefert auch heute noch rund 50 Prozent ihres Biers in Stahlfässern aus.
Trinkgewohnheiten ändern sich
Der Bierabsatz ist in der Gastronomie seit 1972 rückläufig. An seine Stelle treten alkoholfreien Getränke, insbesondere das Mineralwasser. Dafür nimmt der private Konsum zu, sowohl mengenmässig wie auch bezüglich Vielfalt.
In frühen Zeiten wurde aus Effizienzgründen bloss eine Sorte Bier angeboten. Müllerbräu stellte um 1900 herum nur ein dunkles und ein helles Bier her, heute sind es rund 15 Sorten, nebst den traditionellen Lager und Spezial (untergärig, d.h. bei tiefen Temperaturen fermentierend) auch verschiedene obergärige Spezialitäten wie Pale Ale, Red Porter Ale, Baltic Stout und Dry Stout.
Der mittelgrosse Familienbetrieb als Rarität
Der Biermarkt wird heute weltweit von Grossunternehmen beherrscht. Oft haben Lokalmarken bestand, auch wenn sie längst aufgekauft sind. Daneben wachsen seit Jahren unabhängige Klein- und Kleinstbetriebe.
Mittelgrosse Familienbetriebe sind mehrheitlich verschwunden, lokal etwa Falkenbräu 1979. Mit kontinuierlichen Investitionen und Anpassungen an die Konsumgewohnheiten hat die Brauerei H. Müller AG als mittelgrosser unabhängiger Betrieb überlebt.