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Am einstigen Bahnhof Baden Oberstadt, hier um 1915, fährt heute nur noch selten ein Zug vorbei. Die eingleisige Strecke dient noch als Ausweichstrecke für Güterzüge oder zur Bedienung des Öltanklagers in Mellingen. Das Gebäude entwarf 1876 Conrad Bär, der Architekt der Nationalbahn. (Ansichtskarte. Foto: Quelle unbekannt)

Bahnhof Oberstadt und Nationalbahn

Nationalbahn – Ein Abenteuer auch für Baden

Der seit Dezember 2004 verwaiste Bahnhof Oberstadt – heute eine Galerie – erinnert an das Debakel der Schweizerischen Nationalbahn (SNB), die 1875 gegründet wurde und schon drei Jahre später in Konkurs ging.
Das Projekt SNB entstand in Winterthur im Zuge der «Demokratischen Bewegung» der 1860er-Jahre. In Baden setzte sich Joseph Zehnder, Stadtammann 1863 - 1881 und Gründer des Badener Tagblatts, vehement für die Bahn ein. Die Stadt Baden investierte gut zwei Millionen Franken in das Projekt, musste nach dem Konkurs aber bis 1935 Schulden abbezahlen. Winterthur zahlte sogar bis 1952 und Mellingen musste seinen Wald und sein Kulturland an den Kanton verkaufen.
Bemerkungen
Wird noch ergänzt
Meilensteine

1847, Die «Spanischbrötlibahn» verbindet Zürich und Baden – es ist die erste Bahnstrecke in der Schweiz. 1856 geht es weiter bis Brugg.
1857, «Verrat von Lenzburg»: Bei der Frage, wie Brugg und Aarau zu verbinden sei, stimmt der Grosse Rat des Kantons auf Betreiben der Nordostbahn (NOB) für die Wildegger Linie. In Lenzburg und Zofingen fühlt man sich übergangen, auch weil nun Olten zur Stadt wird, wo sich die Hauptlinien kreuzen. So wurden diese Orte empfänglich für das Projekt Nationalbahn.
1863, In Baden wird Joseph Zehnder Stadtammann. Auch er kämpft für die Beteiligung der Stadt an der Nationalbahn.
1875, Gründung der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) mit Sitz in Winterthur.
1875, Direktionspräsident wird Friedrich Joseph Bürli, linksliberaler Badener Stadtamman 1853 – 1862 und Aargauer National- und Ständerat.
1877, Eröffnung der Strecken Baden – Zofingen und Baden – Winterthur. Wettingen bekommt einen Bahnhof für die NOB und die SNB, was den Bau von 2 neuen Limmatbrücken nötig macht. Die linksufrige Strecke Neuenhof – Baden wird aufgehoben.
1878, Kurz nach Einweihung der letzten Strecke nach Zofingen geht die SNB in Konkurs. Anfangs 1880 erwirbt die NOB die gesamte Konkursmasse ihrer Konkurrentin für knapp 14 % der ursprünglichen Kosten.
1902, Gründung der Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Damit endet die Zeit der zahlreichen privaten sich konkurrierenden Bahngesellschaften.
1947, Elektrifizierung der hiesigen SNB-Strecke
1975, Heitersberg-Tunnel eröffnet. Die Züge Zürich – Bern fahren nicht mehr nur über Baden. Der einstige SNB-Abschnitt Mellingen – Lenzburg wird hingegen in die wichtigste West-Ost-Verbindung der Schweiz integriert.
1993, Schliessung des Bahnschalters. Baden Oberstadt wird zur unbedienten Haltestelle.
2004, Die Linie Wettingen – Mellingen wird für den regulären Personenverkehr stillgelegt. Die Bahnhofgebäude Baden Oberstadt und Dättwil werden an Private verkauft.

Vertiefungs- und Lernmaterial

Wie sich ein Karikaturist die Kreuzung der konkurrierenden Bahngesellschaften Nordostbahn (NOB) und Schweizerische Nationalbahn (SNB) bei Oerlikon vorstellte. (Quelle: F. F. Boscovits im Nebelspalter 11, 1876)

«Volksbahn» gegen «Herrenbahn»

Die SNB baute ihre «Volksbahn» als Konkurrenz zur «Herrenbahn» des Zürcher «Eisenbahn-Barons» Alfred Escher. Sie hoffte damit Fortschritt in den ländlichen Gebieten vom Bodensee bis zum Genfersee zu bringen. Die SNB war getragen von den zumeist kleineren Gemeinden entlang ihres Verlaufs, während die Nordostbahn (NOB) privat finanziert war und die grossen Städte verband. Die «Volksbahn» stand – vorerst erfolglos – für eine von der Öffentlichkeit getragene Eisenbahn. Heute haben wir auch dank ihr im Mittelland ein engeres Schienennetz – viele Strecken der einstigen Nationalbahn sind noch in Gebrauch.

Linienführung der Nationalbahn SNB, Stand 1877. Bei der Fortsetzung von Zofingen nach Herzogenbuchsee und Lyss blieb es bei der Planung. Ebenso beim Ast nach Zürich. Die Konkurrentin NOB führte ihre Züge von Zürich über Baden – Brugg – Aarau – Olten nach Bern. (Quelle: Wikipedia «Schweizer Nationalbahn» 2022/11)
Reussbrücke Mellingen 1890. Teure Bauwerke wie dieses trugen zum raschen Ende der Nationalbahn und zur Verschuldung der beteiligten Gemeinden bei. Die Brückenpfeiler wurden später mit Beton ummantelt und dienen heute noch. Fotoarchiv Mellingen

Die Nationalbahn: In den Gemeinden Demokratisch beschlossen, aber unrentabel

Während die NOB privat finanziert war, wurde die SNB von den Gemeinden entlang ihres Verlaufs getragen. Ihre Strecken führten oft quer zu Tälern und Flüssen, was den Bau von teuren Brücken nötig machte. Schon während des Baus mussten die beteiligten Orte wegen steigender Kosten mehrmals zusätzliches Geld aufbringen.
Im Betrieb beförderte die SNB auf ihrem Weg durch meist ländliche Gebiete verglichen mit der NOB nur etwa halb so viele Personen und nur einen Drittel der Güter pro Kilometer. Auch deswegen konnte sie nicht rentieren. .

Monteure bauen die Fahrleitung am Bahnhof Baden Oberstadt. Die ehemalige SNB-Linie wurde erst 1947 elektrifiziert, viel später als das übrige Schweizer Eisenbahnnetz. Schon 1907-09 testete die BBC die Elektrifizierung auf der Strecke Wettingen – Seebach. (Quelle: Stadtarchiv Baden, Foto Werner Nefflen Q.01.3374A)
Der letzte fahrplanmässige Dampfzug fährt über die Mellingerstrasse vor dem Bahnhof Baden Oberstadt. Die Brücke selber wurde 2022 ersetzt. (Quelle: Stadtarchiv Baden, Foto Werner Nefflen Q.01.3398A)
Bahnhof Oberstadt 1960. StaB Suter Q.04.2.748

Oberstadt – einst ein wichtiger Bahnhof

70 Jahre lang dampften hier zuerst leichte, später auch schwere Loks mit den «Arbeiterzügen», die vor allem ab etwa 1900 täglich Hunderte Menschen aus dem Reusstal nach Baden und wieder heimbrachten. Die Badener schätzten den Zug auch für ihre sonntäglichen Ausflüge – und waren stets ein wenig irritiert, wenn in Richtung Lenzburg ein Zug mit dem Gefängnis- Wagen vorbeifuhr.
Eine Wiederbelebung der hiesigen SNB-Linie wird gegenwärtig (2026) diskutiert, nicht zuletzt im Zusammenhang mit einem Verbindungstunnel zum Bahnhof Baden. Längere Zeit war auch die Nutzung von Teile des Trassees zwischen Wettingen und Mellingen-Heitersberg für ein anderes Transportmittel im Gespräch.